Die Reichweitenangabe des Herstellers ist ein Laborwert: ideale Temperatur, definiertes Fahrergewicht, flaches Profil, niedrige Unterstützungsstufe. Im Alltag kommt selten alles davon zusammen. Das ist keine Irreführung, sondern der Preis der Vergleichbarkeit – man muss nur wissen, wie man den Wert liest.
Die folgenden Faktoren stehen ungefähr in der Reihenfolge ihres Einflusses.
Unterstützungsstufe
Der mit Abstand grösste Hebel. Zwischen der niedrigsten und der höchsten Stufe liegen bei den meisten Systemen mehr als das Doppelte an Verbrauch. Wer überwiegend in der unteren oder mittleren Stufe fährt und die höchste für die Rampen aufspart, kommt deutlich weiter.
Höhenmeter
Steigungen kosten mehr Energie als jede andere Streckeneigenschaft. Bei der Tourenplanung im Gebirge sind Höhenmeter deshalb die aussagekräftigere Grösse als Kilometer. Was bergauf verbraucht wird, kommt bergab nur zu einem kleinen Teil zurück.
Gesamtgewicht
Fahrerin oder Fahrer, Gepäck, Kindersitz, Einkauf – alles zählt. Wer regelmässig schwer bepackt fährt, sollte das bei der Planung berücksichtigen, besonders in Kombination mit Steigungen.
Temperatur
Lithium-Ionen-Zellen geben bei Kälte vorübergehend weniger Leistung ab. An einem kalten Wintertag kann die nutzbare Reichweite bei gleichem Ladestand spürbar geringer ausfallen – ohne dass der Akku Schaden genommen hätte. Bei Wärme kehrt die Kapazität zurück.
Reifendruck
Zu wenig Druck erhöht den Rollwiderstand messbar. Das ist der Faktor, der am wenigsten Aufwand kostet und am häufigsten übersehen wird. Welcher Druck zulässig ist, steht auf der Reifenflanke.
Fahrstil
Häufiges kräftiges Anfahren und abruptes Bremsen verbrauchen mehr als gleichmässiges Fahren. Vorausschauend fahren und Schwung mitnehmen wirkt sich ähnlich aus wie eine Stufe weniger Unterstützung.
Gegenwind
Starker Gegenwind wirkt ähnlich wie eine dauerhafte Steigung – mit dem Unterschied, dass er im Höhenprofil nicht auftaucht. An windigen Tagen entsprechend grossügiger rechnen.
Was das für die Planung heisst
Fahren Sie eine bekannte Strecke einmal bewusst mit Blick auf den Verbrauch. Dieser eigene Erfahrungswert ist für Ihre Planung brauchbarer als jede Herstellerangabe, weil er Ihr Gewicht, Ihr Gelände und Ihren Fahrstil bereits enthält.
Wie sich der Akku über die Jahre verhält und was ihn schont, steht im Beitrag zur Akkupflege.