Der CO2-Fussabdruck eines E-Bikes – nüchtern gerechnet

Radfahrer in der Stadt als nachhaltige Fortbewegung

„Nachhaltig“ ist ein Wort, das in diesem Zusammenhang viel behauptet und wenig belegt. Deshalb hier der nüchterne Blick: Ein E-Bike ist nicht emissionsfrei. Die Frage ist, wie sich seine Bilanz zu der einer Autofahrt verhält – und ab wann sie aufgeht.

Was die Herstellung kostet

Rahmen, Motor und vor allem der Akku verursachen bei der Produktion Emissionen. Das ist der Posten, den Verfechter gern übergehen und Kritiker gern überzeichnen.

Entscheidend ist die Grössenordnung: Die Herstellung eines E-Bikes liegt um ein Vielfaches unter der eines Autos, während beide dieselben Alltagswege übernehmen können. Der anfängliche Aufwand rechnet sich deshalb über die Nutzung – vorausgesetzt, das Rad ersetzt tatsächlich Autofahrten und steht nicht zusätzlich im Keller.

Der Strom zum Laden

Eine Akkuladung verbraucht sehr wenig Energie – grössenordnungsmässig so viel wie einige Stunden Fernsehen, und ein Bruchteil dessen, was ein Elektroauto für dieselbe Strecke braucht.

In der Schweiz kommt hinzu, dass ein erheblicher Teil des Stroms aus Wasserkraft stammt. Der Ladeanteil an der Gesamtbilanz eines E-Bikes ist damit klein genug, um in der Rechnung kaum ins Gewicht zu fallen.

Wo der Hebel wirklich liegt

Nicht bei der langen Sonntagstour, sondern bei den kurzen Alltagsfahrten. Ein Verbrennungsmotor arbeitet in den ersten Minuten nach dem Kaltstart am ineffizientesten – also genau auf den Strecken, die ein E-Bike mühelos übernimmt.

Wer fünf kurze Autofahrten pro Woche verlagert, bewirkt mehr als jemand, der einmal im Monat eine lange Tour fährt.

Was in keiner CO2-Rechnung steht

Weniger Autoverkehr bedeutet auch weniger Feinstaub, weniger Lärm und weniger Fläche für Parkraum. Diese Effekte tauchen in Emissionsbilanzen nicht auf, sind aber in einer Wohnstrasse unmittelbar spürbar.

Lebensdauer ist der grösste Hebel

Die Herstellungsemissionen fallen einmal an und verteilen sich auf die gesamte Nutzungsdauer. Ein Rad, das zwölf Jahre fährt, hat pro Kilometer eine deutlich bessere Bilanz als eines, das nach fünf Jahren ersetzt wird.

Damit ist Wartung nicht nur eine Frage der Sicherheit: Ein gepflegter Antrieb, ein schonend behandelter Akku und rechtzeitig ersetzte Verschleissteile sind der praktischste Beitrag zur Ökobilanz. Wie das im Einzelnen geht, steht im Wartungsplan und im Beitrag zur Akkupflege.

Ehrlich bilanziert

Ein E-Bike ist kein Nullsummenspiel und keine Lösung für alles. Auf kurzen und mittleren Distanzen ist es dem Auto in der CO2-Bilanz aber deutlich überlegen – und im Unterschied zu vielen anderen Massnahmen verlangt es keinen Verzicht, sondern nur eine andere Wahl des Verkehrsmittels.

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